von Jakob Levy

Schluss mit Halbwahrheiten - 10 Technik-Mythen

Der Schlaf vor 12Uhr ist der beste, Salz hilft bei Rotweinflecken und Knoblauch hilft gegen Vampire ... ganz im Ernst – solche Alltagsmythen kennt doch irgendwie jeder. Und nur um es mal vorweg zu nehmen: Die sind alle drei Blödsinn. Ja – auch der mit dem Salz!

Aber genauso wie wir uns bei solchem Kram selber reinlegen, passiert das in der Technik-Welt ganz genauso. Und deshalb kriegen Technik-Mythen jetzt eins auf die Mütze. Hier sind mal 10 wahllos gesammelte:

1.) Mehr Pixel bei Handy-Kameras sind immer besser

Es gibt jetzt Smartphones mit 20 und mehr MP und das ist zum Teil richtiger Blödsinn. Wer glaubt, eine Kamera mit 23 Megapixeln macht automatisch super tolle Bilder wird sich ganz schön wundern. Die Anzahl der Pixel ist nämlich nur ein Faktor beim Erstellen der Fotos. Wichtig sind auch die Linse und die Größe der einzelnen Sensorpixel. Je größer die sind, um so mehr Licht kann aufgenommen werden. Und das ist nun mal das ausschlaggebende.

2.) Man sollte immer alle laufenden Apps beenden

Angeblich müllen offene Apps den Arbeitsspeicher zu und fressen die Akkuleistung des Smartphones auf. Ist beides falsch, denn alle Geräte haben inzwischen Mechanismen, die sich um Speichermanagement und Energieverwaltung kümmern. Inaktive Apps werden zum Beispiel einfach „schlafen“ gelegt.

3.) In Smartphones sind Abhörwanzen verbaut

Die letzten Videos dazu gingen Ende des vergangenen Jahres mal wieder durch die sozialen Netzwerke. Ein paar der Aluhut-tragenden Schlauköpfe hatten sogar einen Sender als Beweis ausgebaut. Blöd, dass es sich dabei um den NFC-Chip gehandelt hat, womit das Smartphone auf kurze Distanz Daten austauschen kann, zum Bezahlen mit dem Phone zum Beispiel.

4.) Die Memory-Funktion ist schlecht für den Akku

Das ist immerhin ein Mythos, an dem mal was dran war. Die Betonung liegt in diesem Fall aber bei „war“. Die Nickel-Kadmium Akkus mussten vor dem Laden wirklich komplett entleert werden, weil die Memory-Funktion das komplette Aufladen verhindern konnte. Heute werden aber andere Materialien verbaut – da passiert das nicht mehr.

5.) Taskkiller machen Smartphones schneller

Au contraire, mon ami – eher das Gegenteil ist der Fall. Android Phones besitzen sowieso ein eigenes – und auch ziemlich gutes – On-Board-Speichermanagement. Solche Apps können dieses im Zweifelsfall sogar noch durcheinander bringen. Die Mär von den guten Taskkillern kommt übriges – und jetzt wird’s überraschend – von den Herstellern von Taskkillern.

6.) Mobiltelefone lassen Flugzeuge abstürzen

Es ist zwar noch nirgendwo belegt, aber laut einer NASA-Studie könnte es sogar passieren ... also vielleicht ... wenn es ein wirklich altes Flugzeug ist ... und viele Leute in diesem alten Flugzeug gleichzeitig telefonieren ... dann ist es möglich ... eventuell!

7.) Mobile Devices beeinflussen medizinische Geräte

Es ist nicht ein Fall bekannt, in dem ein Smartphone oder ein anderes Device sich negativ auf ein medizinisches Gerät ausgewirkt hätte. Und selbst die Krankenhäuser geben zu, dass niemand so etwas behauptet hat. Der Mythos hält sich trotzdem und die Mediziner sind nicht böse drum. Weniger Telefone heißt nämlich mehr Ruhe für die Patienten und darauf kommt es an.

8.) Wenn ich inkognito surfe, ist alles geheim

Das ist natürlich völlig falsch. Es wird lediglich nicht lokal gespeichert, welche Websites man besucht hat. Netzbetreiber oder Behörden finden natürlich immer noch heraus, auf welchen Seiten man sich getummelt hat. Und zwar anhand der verwendeten IP-Adresse.

9.) Magnete zerstören Festplatten

Das ist ausnahmsweise mal komplett wahr ... außer dass man dazu einen sehr leistungsstarken Industriemagneten bräuchte. Normale Haushaltsmagnete richten überhaupt keinen Schaden an. Außerdem dürfte die Platte keinen Flash-Speicher haben – die sind nämlich selbst gegen die stärksten Magneten immun. Aber ansonsten ... doch, doch ... irgendwo stimmt es.

10.) Discs halten ewig

Das stimmt nur, wenn man mit „ewig“ etwa 10 bis 35 Jahre meint. Das ist nämlich die durchschnittliche Lebenszeit von optischen Speichern wie CDs, DVDs oder Blu-rays. Mit Hilfe von Stahlwolle lässt sich die Lebenszeit selbstverständlich sehr schnell auf ein paar Sekunden verkürzen ... aber wer will das schon. Wer ein wirklich haltbares Speichermedium möchte, sollte auf gute USB-Sticks oder SSD-Speicher setzen.